Bernard Beckett – Stechzeit (Buch)

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Bernard Beckett - Stechzeit (Buch)Man mag es kaum für möglich halten, dass der Autor dieses Romans derselbe ist, der auch den Science-Fiction-/Artificial Intelligence-Roman „Das neue Buch Genesis“ oder den Thriller „Wie du ihr“ geschrieben haben soll, denn statt düsterer Kost bekommt der Leser mit „Stechzeit“ leichte Unterhaltung geboten, mitten aus dem Leben Heranwachsender.

Schüler Malcolm ist im letzten Schuljahr mit seinem Beitrag zum Wissenschaftswettbewerb haarscharf am ersten Platz vorbeigeschrammt, und so muss für das laufende Jahr ein anderes Thema her. Ein neues. Ein packendes. Ein Thema, das den Titel garantiert. Dies ist schnell gefunden: Sex! Der junge, in dieser Hinsicht noch recht unerfahrene „Wissenschaftler“ macht es sich zur Aufgabe, Material zu sammeln. Selbstverständlich braucht man für die Wissenschaft auch ein Versuchsobjekt. Seine beste Freundin Juliet lässt sich darauf ein, und fortan überschlagen sich die Ereignisse.

Ein Chaos aus Gefühlen und Hormonen stellt alles auf den Kopf, und der Klappentext bringt dies wunderbar auf den Punkt: „Kevin ist schwul und in Brian verknallt, Brian steht auf Charlotte, Charlotte liebt Malcolm, glaubt aber, Malcolm sei in Juliet verliebt, Malcolm liebt Charlotte, ist aber eifersüchtig auf Brian, weil der plötzlich was von Juliet will… Und jetzt?“

Es könnte demnach schnell geschlussfolgert werden, dass „Stechzeit“ ein trivialer Teenie-Schmöker ist, doch er ist deutlich mehr als das. Zwischen den Deckeln der edlen Klappenbroschur findet man nämclih vielmehr eine herrlich überdrehte, verworrene, unerwartet endende Story rund um Neugier, Sehnsüchte, Gefühle – und ein klein wenig Erpressung. Nicht selten muss man vor Fremdscham schmunzelnd die Handfläche gegen den Kopf klatschen und ein lachgequältes „Nee, ne?“ von sich geben.

Wenngleich manche Passagen etwas an den Haaren herbei gezogen erscheinen, besitzt diese nette kleine Geschichte einen Charme, dem man sich als Leser nur schwerlich entziehen kann – und da kann man dem Autor die einen doch arg spinnerte Aktion oder Wendung durchaus verzeihen, denn am Ende passt es dann doch wieder irgendwie. Andererseits: Hat Beckett denn schon mal ein normales Buch geschrieben?

Sowieso: Der Neuseeländer wird allgemein als Jugendbuchautor oder Autor für junge Erwachsene gebrandmarkt, aber es wäre viel zu kurzsichtig gedacht, ihn einfach in ein Raster zu zwängen, denn mit seinen Werken kann man sowohl als Teenager, als Twen, als Dreißiger oder generell als Uhu („unter hundert“) Spaß haben. Und das ist ein Attribut, das einen guten Schriftsteller ausmacht.

Cover © script5

  • Autor: Bernard Beckett
  • Titel: Stechzeit
  • Originaltitel: Malcolm & Juliet
  • Übersetzer: Christine Gallus
  • Verlag: script5
  • Erschienen: 2010
  • Einband: Klappenbroschur
  • Seiten: 160
  • ISBN: 978-3-8390-0121-9

Wertung: 10/15 dpt

 

 

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Über den Autor

Chris Popp

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Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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Bernard Beckett – Stechzeit (Buch)

von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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