Martin Suter – Allmen und die Dahlien (Buch)

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Martin Suter - Allmen und die Dahlien (Buch)In Martin Suters Büchern geht es häufig unblutig zu – aber Vorurteile sterben bei ihm wie die Fliegen: Beispielsweise hat der Rezensent so seine Schwierigkeiten mit Betroffenheitsliteratur. Doch die eigene Teil-Welt, die dieser Autor mit „Small World“ zu Demenz, Alzheimer und Verfall erschaffen hat, ist paradoxerweise völlig unvergesslich und bleibt schmerzlich beeindruckend. Auch mit Serien in Literatur hat man ja durchaus wechselhafte Erfahrungen gemacht. Doch mit seiner Gestalt des so eleganten wie halbseidenen „Kunstwiederbeschaffers“ Johann Friedrich von Allmen lässt er uns nach jedem Abenteuer sofort nach Nachschub dürstend zurück. Der wird nach „Allmen und die Libellen“ (2011) sowie „… und der rosa Diamant“ (2011) nun mit „… und die Dahlien“ endlich geliefert, doch auch sogleich wieder neue Begehrlichkeiten geweckt – unter anderem durch ein klassisches Cliffhanger-Ende.

Diesmal fahndet der charmante Bonvivant mit seinem guatemaltekischen Kompagnon Carlos und dessen Freundin María unter dem Motto „The Art of Tracing Art“ nach einem entwendeten Dahlienbild von Henri Fantin-Latour. Dabei verbreitet das Buch sanfte Ironie, unaufdringliche Eleganz und Geschmackssicherheit von der ersten bis zur letzten Zeile, vom Schutzumschlag mit einem stilisierten Dahlienmotiv (das sich auch in einem wertigen Vorsatzpapier wiederfindet!) bis hin zu einer als Lesezeichen mitgelieferten Reproduktion des in Rede stehenden Fantin-Latour-Gemäldes.

Der Plot dazu ist wie fast immer bei Suter mindestens solide, sehr spannend und letztlich doch irgendwie nicht das Wichtigste am massiv gespendeten Lesevergnügen. Die „Dahlien“ lesen sich besorgniserregend schnell weg, weil man nach den Szenen, den Dialogen, dem enthaltenen Feinsinn giert, weniger nach der – vorher ahnbaren – vorläufigen Auflösung (das entwendete Bild und mehrfache Liebespfand kann wiederbeschafft werden) und der finalen Wendung (die hier natürlich nicht verraten wird).

Dies ist die perfekte „leichte“ Sommer- beziehungsweise Ferienlektüre. Das Einzige, was Suter-Fans noch mehr elektrisieren könnte, wäre ein neuer „richtiger“ Suter, so wie „Small World“, „Die dunkle Seite des Mondes“ oder „Der Koch“. Doch bis dahin wäre auch die Auflösung des Dahlien-Cliffhangers durch einen weiteren „Allmen und …“-Roman mehr als akzeptabel.

Wertung: 12/15 dpt


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Klaus‘ Nerd-Schreibtisch

Wer bist Du und was machst Du hier überhaupt?
Bin der, der hier hockt und sich grad schwer tut, zu erklären, was er hier überhaupt macht. ;-)

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Das anzugeben, fällt erheblich leichter: Symptome der Booknerdismus-Deformation hatten sich früh gezeigt (in zartestem Alter den – erheblichen! – Buchbestand der Eltern einmal quergelesen).

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von Klaus Reckert Artikel-Lesezeit: ca. 1 min
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