Sabine Zett – Advent, Advent, der Kuchen brennt! (Buch, mit Illustrationen von Thorsten Saleina)

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Sabine Zett - Advent, Advent, der Kuchen brennt! - Cover © Loewe VerlagEine Warnung vorweg: Wenn man nicht zu viel vom Inhalt dieses Buches verraten bekommen möchte, sollte man auf keinen Fall die Inhaltsangabe auf der Buchrückseite lesen, denn diese gibt den Inhalt des Buches – auf Zeitungskurzartikelgröße heruntergestampft – praktisch komplett wieder, sodass die anschließende Lektüre alles ist, nur nicht mehr überraschend oder spannend.

Daher hier nur ein kurzer Anriss: Auch in der Familie Engelskuchen steht bald Weihnachten vor der Tür. Der zehnjärige Benny, die zwei Jahre ältere Schwester Stella, der vierjährige Max (mit niedlichem „P“-Sprachfehler) sowie die Eltern freuen sich – doch letztendlich bleibt sämtliche Arbeit an Mama hängen. Die Vorbereitungen, das Essen, die Materialbeschaffung, die Erinnerungen an die anderen. Und dann ist die Familie Engelskuchen auch noch mit der heiligabendlichen Familienfeier an der Reihe – dieses Mal kommt die ganze Sippschaft zu ihnen. Ganze achtzehn Leute! Natürlich haben die Kids Schule beziehungsweise sind sie im Kindergarten, und auch Papa ist mit seiner Arbeit ziemlich ausgelastet. Doch erwarten alle tatsächlich, dass Mama alles macht und an alles denken muss?

Sie beißt in den sauren Apfel, denn irgendwann geht auch das wieder vorüber. Denkt sie. Denn zwölf Tage vor Weihnachten ruft Mamas Schwester und frischgebackene Mutter Christina an, dass Oma Kleine unglücklich gestürzt sei und ins Krankenhaus müsse. Es führt kein Weg daran vorbei: Mama muss für ein paar Tage weg, ihrer Mutter und ihrer Schwester helfen. Nun ist die Familie auf sich alleine gestellt. Vater Josef muss fortan das Heft in die Hand nehmen und Kids, Haushalt und Arbeit selbst koordinieren – und dabei ist er zweifellos auf die Hilfe seiner Kinder angewiesen – zumindest auf die Hilfe von Benny und Stella. Baum besorgen, Vorbereitungen treffen, Haushalt managen, die Kids zu ihren Terminen fahren, Einkäufe erledigen, die Wohnung weihnachtlich gestalten. Die Herausforderung ist für die für ein paar Tage mamalose Familie groß. Zu groß?

An sich ist die Weihnachtsgeschichte der Autorin Sabine Zett, die man ansonsten eher mit der  „Hugo“-Reihe in Verbindung bringen dürfte, unterhaltsam und drollig, und der Spannungsbogen bleibt – wenn man die Buchrückseite konsequent ignoriert hat! – durchgehend straff. Auch die Illustrationen von Thorsten Saleina passen wunderbar zum Buch, welches in gut portionierte Kapitel unterteilt ist. Das Chaos, welches sich ohne die Person, die letztendlich alles lenkt, ereignet, wurde liebevoll und warmherzig skizziert, und man muss sich des öfteren die Haare raufen, was Max, Stella, Benny und der Vater so in Mamas Abwesenheit alles verbocken.

Doch ein „Geschmäckle“ besitzt „Advent, Advent, der Kuchen Brennt!“: Es bedient vielerlei Klischees und hätte in dieser Form, wenn man mal die modernen Medien wegließe, auch in den Achtzigern oder gar früher erscheinen können, da ein doch sehr konservatives Bild gezeichnet wird. Papa geht arbeiten, schaut Fußball und liest in der Küche Zeitung. Benny ist fasziniert von Robotern und Stella ist zickig und interessiert sich primär für ihr Outfit. Mama putzt, wäscht, kocht und verdient sich nebenbei noch etwas dazu. Sämtliche geschlechts- und generationsspezifische Stereotypen, die sich in den letzten Jahrzehnten endlich Stück für Stück aus der Gesellschaft geschlichen haben, finden sich zwischen den Buchdeckeln des vorliegenden Werks geballt wieder. Weitere Mankos sind diesbezüglich die altbackene Wahl der Namen der einzelnen Figuren und die doch sehr deutsch gezeichnete Gesellschafts- und Kulturstruktur, welche der heutigen Norm – und im Grunde auch schon der damaligen Norm – nicht mehr entspricht. Da Letzteres wohl eher unbewusst stattfand, kann und darf man der Autorin selbstverständlich keinen Strick daraus drehen.

Dennoch: Heute ist fast überall Multikulti. Heute ist fast überall Patchworkfamilie. Und heute spricht man anders miteinander. Heute ist bunt. Und das Heute besitzt weniger Grenzen, auch in den Köpfen der nachwachsenden Generationen. Und das ist gut so. Kann man sich mit der klassischeren Kinderbuchausrichtung jedoch arrangieren, bleibt ein nettes Kinderbuch, das zwar nicht aus der Masse herausragt, aber dennoch für Kurzweil sorgt.

Cover gezeichnet von Thorsten Saleina © Loewe Verlag

 

 

Wertung: 10/15 dpt


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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