Vernor Vinge – Das Ende des Regenbogens (Buch)

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Vernor Vinge - Das Ende des Regenbogens - Cover © Cross CultSeit ein paar Jahren ist der Cross Cult-Verlag nun schon dabei, sein Romanangebot zu diversifizieren. Weg von Lizenzserien wie „Star Trek“ oder „Grimm“, hin zu eigenständigen Büchern, die eben nur auf den eigenen Ideen des jeweiligen Autors basieren und nicht auf denen anderer. Und so brachte man unter anderem von Stephen Baxter die „Nordland-Trilogie“ heraus. Der Weg wurde seit demkonsequent weiter beschritten, und so fanden sich 2016 diverse Titel im Programm, die sogar preisgekrönt waren, wie zum Beispiel Vernor Vinges „Das Ende des Regenbogens“. Der 2007 in den USA erschienene Roman wurde sowohl mit einem „Hugo“ als auch einem „Locus“ ausgezeichnet, zwei der renommiertesten Preise in der SciFi-Szene.

Der Autor wurde 1944 geboren und war an der San Diego University Professor für Mathematik und Computerwissenschaften. 2000 trat er von diesem Posten zurück, um sich vollständig aufs Schreiben zu konzentrieren. Seine ersten Geschichten wurden bereits 1966 veröffentlicht, und sein erster richtiger Roman „Grimm’s World“ wurde 1969 publiziert. Von seinen Werken haben es jedoch nicht alle über den großen Teich geschafft.

Einst war Robert Gu ein berühmter Poet gewesen, dessen Gedichte weltberühmt waren. Doch dann wurde er älter und eine Alzheimererkrankung nahm ihm das Gedächtnis und die Fähigkeit, neue Werke zu erschaffen. Nun ist allerdings 20 Jahre später, im Jahr 2025, die Medizin so weit fortgeschritten, dass er vollständig von seinen Gebrechen geheilt und sogar verjüngt wurde. Jedoch findet er sich jetzt in einer Welt, die sich technologisch weiterentwickelt hat und in der er seinen Platz erst wiederfinden muss. Anschließend wird er auch noch in eine Verschwörung hineingezogen, die alles bedroht, selbst die Menschen, die ihm nahe stehen.

Wenn man „Das Ende des Regenbogens“ liest, weiß man nicht so recht, was man von der Zukunftsvision halten soll. Einerseits ist es ein guter SciFi-Roman, in dem der Autor eine Zukunft entwirft, die durchaus nachvollziehbar erscheint. Die Grenzen zwischen normaler Kleidung und Technologie sind vollständig verschwunden und es gibt mehrere Realitäten, je nach dem, welche man selektiert. An einer Stelle wurde sogar eine Welt erschaffen, die sich an der von Terry Pratchett orientiert.

Doch leider wirkt das Buch in einigen Passagen unglaubwürdig und veraltet. Es ist das übliche Problem der SciFi, eine glaubwürdige Zukunftsvision zu entwerfen, die die Zeit überdauert. Denn je konkreter man ein Jahr benennt, desto stärker wird die Gefahr, dass die Aussagen irgendwann einfach nicht mehr stimmen. Und dieses Risiko besteht auch bei „Am Ende des Regenbogens“. 2025 mag 2007, als der Roman geschrieben wurde, noch weit entfernt gewesen sein. Doch im Jahr 2017 ist es quasi nur noch um die Ecke. Und wenn die Technologie nicht einen Riesenfortschritt macht, dann ist die Idee mit der verschachtelten Realität bzw. Augmented Reality, wie der Fachbegriff lautet, nicht glaubwürdig. Vielmehr geht der Trend in Sachen Wirklichkeit ja mehr in Richtung VR.

Davon abgesehen ist der Roman allerdings durchaus lesenswert. Das liegt vor allem am Hauptprotagonisten Robert Gu, der vor allem zu Beginn ein Arschloch ist. Getrieben vom Verlust seiner Fähigkeit, seine Worte in hinreißende Verse zu fassen, wird dieser Aspekt seiner Persönlichkeit nur noch schlimmer. Und gleichzeitig ist da auch seine Verzweiflung über die veränderte Welt zu spüren und daraus resultierend sein Wunsch nach Altbekanntem, seine Sehnsucht nach Dingen, die ihm etwas bedeuten, wie zum Beispiel richtige Bücher zum Anfassen und Lesen. Hier gelingt es Vernor Vinges, einen Protagonisten darzustellen, der einerseits abstoßend aber andererseits nachvollziehbar agiert.

Ebenso zeigt sich der Kontrast zwischen ihm und der jungen Generation, repräsentiert durch seinen Mitschüler Juan und seine Nichte Miri, den der Autor gut ausarbeitet. Natürlich kann die Jugend besser mit der neuen Technik umgehen als Robert selbst. Doch dann ist da noch mehr, denn es sind ausgerechnet diese Jugendlichen, die trotzdem zu ihm halten, trotz seiner charakterlichen Schwächen. Und man merkt auch, wie sie ihn beeinflussen und verändern, eben weil sie von der Persönlichkeit her anders sind als er.

Derweil ereignet sich im Hintergrund die große Verschwörung, und hier spielt der merkwürdige Rabbit, der sich Robert Gu als mysteriöser Fremder präsentiert, eine enorme Rolle. Wiederholt ist man sich unsicher, für welche Seite diese Figur arbeitet. Ist er einer der Guten? Hilft der den Gegenspielern dabei, ihre Pläne auszuführen? Oder hat er seine eigenen? Es ist diese Unsicherheit, die eben dazu führt, dass dieser Charakter einem in guter Erinnerung bleibt. Jeder seiner Auftritte und wie er seine Pläne vorantreibt, sind ein wahres Highlight. Und am Ende gibt es eine Überraschung, weil man nicht mit dieser Auflösung gerechnet hat.

Am Ende ist „Das Ende des Regenbogens“ ein sehr gutes, aber kein überragendes SciFi-Buch.

Cover © Cross Cult

  • Autor: Vernor Vinge
  • Titel: Das Ende des Regenbogens
  • Originaltitel: Rainbow’s Ende
  • Übersetzer: Renè Ulmer
  • Verlag: Cross Cult
  • Erschienen: 10/2016
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 450
  • ISBN: 978-3-95981-144-6
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 12/15 dpt


Über den Autor

Götz Piesbergen


Ich darf mich vorstellen? Wunderbärchen! :D

Mein Name ist Götz Piesbergen, wobei ich in den Weiten des World Wide Web auch noch ein paar andere Pseudonyme verwende. Ich bin ein Vielschreiber und Vielleser, der quasi alles verschlingt, was Buchstaben hat (hmm, lecker! :D). Und da ich zu den Leuten gehöre, die ihre Meinung im Netz gerne kundtun, bespreche ich auch die Sachen, die ich lese oder zocke oder sehe.

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von Götz Piesbergen Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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