David Falk – Blutsbande – Krieger des Nordens 1 (Buch)

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«Sie nahmen ihm seine Heimat und gaben ihm ein Heer, um für sie zu kämpfen.»David Falk - Blutsbande - Krieger des Nordens (Cover © Piper)

Im Kindesalter muss Seran miterleben, wie sein Dorf im Krieg von den Thebanern erobert wird. Der thebanische Heerführer sieht in dem Jungen eine Zukunft in den eigenen Reihen und nimmt ihn als Ziehsohn bei sich auf, während sein Bruder in die Sklaverei verkauft wird. Mit den Jahren verblassen Serans Erinnerungen an seine Kindheit, er fühlt sich der thebanischen Familie zugehörig. Bis er eines Tages zufällig die Leiche eines Sklaven findet. Der junge Mann, der dort tot vor ihm liegt, ist ihm wie aus dem Gesicht geschnitten. Hatte er etwa einen Bruder? Nach und nach blitzen Erinnerungsfetzen auf und Seran stellt sein bisheriges Leben immer mehr in Frage. Als sich die nordischen Stämme zum Aufstand gegen das Kaiserreich erheben, steht der junge Krieger plötzlich vor einer Entscheidung, die alles verändert.

„Blutsbande“ läutet die High-Fantasy-Reihe „Krieger des Nordens“ von David Falk mit großem Gemetzel ein. Schon die ersten Seiten sind bestimmt von blutigen Kämpfen und Krieg. Dass die Geschichte nichts für zarte Gemüter ist, wird also recht schnell deutlich. Die Kampfszenen, die sich zahlreich durch das gesamte Buch ziehen, sind sehr bildhaft, schonungslos und detailreich beschrieben. Dies hat zur Folge, dass die einzelnen Kämpfe einen großen Teil der Handlung einnehmen. Man hat fast das Gefühl, selbst auf dem Schlachtfeld zu stehen, hört das Aufeinanderschlagen von Metall, sieht das Blut spritzen. Wer solche eindrücklichen Kampfszenen mag, wird große Freude an diesem Buch haben. David Falk versteht es zweifellos, die Ereignisse erlebbar zu machen.

Doch auch, wenn die Kämpfe ein elementarer Bestandteil der Geschichte sind, so sind sie bei Weitem nicht alles, was „Blutsbande“ zu bieten hat. Serans innere Zerrissenheit steht ebenfalls stark im Vordergrund. Zwar fühlt er sich als Teil der thebanischen Familie, merkt aber auch, dass er eigentlich woanders hingehört. Doch wohin genau, das weiß er nicht – denn seine Vergangenheit liegt im Dunklen. Stück für Stück gelingt es ihm, das Puzzle zusammenzusetzen und so seine wahre Bestimmung zu finden. Wir begleiten ihn dabei und können förmlich spüren, wie es in ihm brodelt, wie er versucht, den richtigen Weg zu gehen. Die Charakterzeichnung gelingt dem Autor hervorragend. Seran wird für den Leser greifbar, man lernt ihn kennen, man versteht ihn und seinen inneren Kampf. Der junge Krieger wird zum Befehlshaber über ein thebanisches Heer, hegt aber immer größere Zweifel an seinem bisherigen Leben. So begeben wir uns gemeinsam mit ihm nicht nur auf eine Reise durch die eindrucksvoll gestaltete Welt, sondern ebenso auf eine Reise zu sich selbst, die viel mehr offenbart, als er je für möglich gehalten hätte.

Weitere Charaktere sind in einer großen Vielzahl vorhanden, sodass es manchmal schwierig ist, den Überblick zu behalten. Natürlich gibt es einen – äußerst sympathischen und amüsanten – Quoten-Zwerg, daneben taucht auch der eine oder andere Zauberer auf. Hauptsächlich begegnen wird jedoch Kriegern und Sklaven, die den unterschiedlichsten Völkern mit ihren ganz eigenen Merkmalen, Traditionen und Mythen angehören. Die Welt, die David Falk erschafft, ist vielschichtig und wird den Erwartungen eines anspruchsvollen Fantasy-Lesers absolut gerecht.

Eine kleine Liebesgeschichte darf auch nicht fehlen. Da sie jedoch nur dezent eingestreut wird, wirkt sie glücklicherweise nicht konstruiert, sondern fügt sich nachvollziehbar in die Handlung ein. Während wir anfangs die Charaktere – auch Serans Bruder Kayo und sein Dasein als Sklave – kennenlernen und der Autor sich Zeit für ihre Einführung nimmt, überzeugt die Geschichte insbesondere im letzten Drittel mit deutlichem Auftrieb und unerwarteten Wendungen. Das Ende ist gut gewählt und bringt das erste Buch zu einem runden Abschluss: Die erste Schlacht ist geschlagen, aber sie war nur der Anfang. Welche Kämpfe noch auf Seran und seine Verbündeten warten, erfahren wir dann in der Fortsetzung.

Fazit: „Blutsbande“ ist für High-Fantasy-Fans, die große Schlachten lieben, genau das Richtige. Ungeschönt und bildgewaltig ziehen David Falks Charaktere gemeinsam mit dem Leser in den Krieg. Seran ist eine detailliert ausgearbeitete Figur, der man gerne folgt und auf deren weiteres Schicksal man neugierig ist. Dieser Band ist ein überaus gelungener Auftakt zur Reihe, der uns zunächst die relevanten Charaktere und ihre Beweggründe näherbringt, aber auch schon mit einer gehörigen Portion Action aufwartet. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht!

Teil 2 erscheint am 01. August 2018

Cover © Piper

Wertung: 12/15 siegreiche Schlachten


Über den Autor

Jasmina Driller


Ich halte es wie Herbert Grönemeyer: Bochum, ich komm‘ aus dir! Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt, habe ich nicht nur Germanistik studiert und die Liebe zum Schreiben entdeckt, sondern lebe, lese und lache ich mit Mann, Kind und zwei Katzen. Dabei immer im Ohr: Rock(’n’Roll), von den 50er-Jahren bis heute. Jede freie Minute stecke ich meine Nase in Bücher oder auch in meinen Kindle, meist sogar parallel.
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David Falk – Blutsbande – Krieger des Norden…

von Jasmina Driller Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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