The Pembrokeshire Murders (1 DVD)

1985 wurden die Geschwister Richard and Helen Thomas in ihrem abgelegenen Farmhaus in Scoveston Park im Walisischen Pembrokeshire mit einer Schrotflinte erschossen, das Gebäude anschließend niedergebrannt. Vier Jahre später wurde das Ehepaar bei einer Wanderung entlang der malerischen Küste Pembrokeshires ebenfalls mit Schrot getötet. 1996 schließlich bedrohte ein maskierter Mann eine Gruppe Jugendlicher nachts mit einer Schrotflinte. Eine junge Frau vergewaltigte er, eine andere wurde sexuell genötigt, bevor er die Teenager entkommen ließ. Der oder die Täter wurden nicht gefasst.

Bis Superintendent Steve Wilkins 2006 nach Pembrokeshire zurückkehrte und sich mit einem Team des Cold Cases annahm. Fortschritte in der Kriminaltechnik und Forensik brachten neue Erkenntnisse bei der Analyse der Indizien. Ziemlich schnell fokussierte sich ein einzelner Tatverdächtiger heraus, ein Mann namens John William Cooper. Eine kleine lokale Berühmtheit, da er 1989 an der Gameshow “Bullseye” teilgenommen hatte. Ein Fakt, der einen wichtigen Beitrag zur Ermittlung beitragen wird. Obwohl sich der Verdacht immer weiter erhärtet fehlen der Ermittlungsgruppe Ottawa die handfesten Beweise zu einer Verurteilung Coopers. Noch sitzt er wegen einer anderen Strafsache im Gefängnis, doch seine vorzeitige Entlassung rückt näher. Es wird insgesamt fünf Jahre bis zum Abschluss der Ermittlungen dauern, die Cooper für den Rest seines Lebens zurück in den Knast schicken, nachdem er für kurze Zeit auf freiem Fuß war.

Der leitende Ermittler Steve Wilkins veröffentlichte 2013 das autobiographische “The Pembrokeshire Murders: Catching the Bullseye Killer”, das als Grundlage der Fernsehserie diente und nur um wenige fiktionale Elemente ergänzt wurde. Der Dreiteiler mit rund 150 Minuten Lauflänge zeigt die akribischen und stellenweise frustrierenden Ermittlungen, die das Team um Steve Wilkins betreibt, um John Cooper dingfest zu machen. Auf jeden kleinen Erfolg folgt ein Rückschlag, die Spuren- und Indiziensuche ist infolge der vergangenen Zeit eine aufwändige Herausforderung. Am Ende ist die Beweiskette aber engmaschig genug, um Cooper lebenslänglich inhaftieren zu können.

Aufs Wesentliche konzentriert zeigt “The Pembrokeshire Murders” wie spannend True Crime sein kann, wenn man auf Spektakel und Ablenkungsmanöver verzichtet. Lediglich Wilkins (und natürlich Coopers) Familienverhältnisse bekommen ein wenig Raum spendiert, ohne dass man sich allzu weit von der zentralen Ermittlung fortbewegt. Die Gewalttaten werden nicht explizit in Szene gesetzt, eine kluge Entscheidung.

Lieber lässt man die Opfer sprechen, angefangen bei Coopers gepeinigtem Sohn, der sich durch eine Namensänderung von seiner Familiengeschichte lösen möchte, bis hin zu den beiden Vergewaltigungsopfern aus dem Jahr 1996. Die ausgelösten Traumata werden in Gesprächs- und Gerichtssequenzen einprägsam dargelegt. Das funktioniert vor allem, da sämtliche Darsteller ihre Rollen überzeugend ausfüllen. Angefangen bei Luke Evans, der Steve Wilkins sehr zurückgenommen, nachdenklich und ohne Allüren spielt.

Die Bildsprache versteht es effizient die Idylle der Landschaft in Szene zu setzen, ohne das unterschwellige Grauen hinter den Bildern auszusparen. Während die ersten beiden Folgen den langwierigen Ermittlungen folgen, steht im letzten Teil die Gerichtsverhandlung gegen John Cooper im Zentrum. Der Genre-Wechsel klappt, weil die Tonlage gleich bleibt. Kein überschäumendes Drama nach US-amerikanischem Vorbild, mit sich argumentativ überbietenden Anwälten, sondern eine konzentrierte Nabelschau, die sämtliche Anwesenden mindestens peripher im Blick behält. Lediglich ganz zum Ende erlaubt sich John Cooper einen kurzen, aber heftigen Gefühlsausbruch. Der nicht als zusätzliches Beweismittel dient, sondern in Sekunden aufzeigt, welch destruktive Kraft hinter Coopers scheinbar ungerührtem Gebaren und Unschuldsbekundungen liegt.

“The Pembrokeshire Murders” ist ein faszinierendes, fokussiertes Police Procedural, das belegt wie spannend und informativ (der Dreiteiler lädt geradezu zur Weiterbeschäftigung mit dem Fall ein) TV-Krimis sein können, die ihr Material nicht spekulativ und spektakulär, sondern gelassen und ernsthaft aufbereiten. Well done!

  • Titel: The Pembrokeshire Murders
  • Originaltitel: The Pembrokeshire Murders
  • Produktionsland und -jahr: GB, 2021
  • Genre: Krimi, Police Procedural, Gerichtsdrama, True Crime
  • Erschienen: 10.12.2021
  • Label: edel Motion
  • Spielzeit:
    144 Minuten auf 1 DVD
  • Darsteller: Luke Evans
    Keith Allan
    Caroline Cooper
    Oliver Ryan
    Alexandra Riley
    Anastasia Hille
    David Fynn
  • Regie: Marc Evans
  • Drehbuch: Jonathan Hill
    Nick Stevens
    Steve Wilkins (Buchvorlage “The Pembrokeshire Murders”)
  • Kamera: Baz Irvine
  • Musik: Carly Paradis
  • Extras:
    Hintergründe zur Serie unb d den Pembrokeshire Morden, 55 Min.

  • Technische Details (DVD)
    Video:
    16:9, 1,78:1
    Sprachen/Ton: D, GB, Dolby Digital 5.1
    Untertitel:
    D
  • FSK: 12
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten


    Wertung: 12/15 dpt


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