Jan Deichmohle – Die Unterdrückung der Männer (Buch)

10
2
1

Jan Deichmohle - Die Unterdrückung der Männer (Cover © Juwelen Verlag)Wenn man so will, folgt nun der zweite Teil einer Doppelkritik mit der Überschrift „Positionen im Genderdiskurs 2016“. Während Linda Papadopoulos mit „Es ist MEIN Leben!“ vielleicht nicht durchweg Mainstream-Positionen vertritt, aber durchaus versucht, die breite Masse (an jungen Frauen in ihren Zwanzigern) zu erreichen, zeigt schon der Titel des vorliegenden Projekts, dass „Die Unterdrückung der Männer“  als Beitrag zu einer Minderheitenposition verfasst worden ist.

(Kollege Chris Popp liegt dieses Buch in digitaler Form ebenfalls vor- statt einer zweiten Rezension hat er in diesem Text einige Anmerkungen und Kommentare in Form von Fußnoten niedergeschrieben. Eine Bewegung mit dem Mauszeiger auf die jeweilige Fußnotennummer zeigt die Fußnote direkt als Popup an, ein Klick auf die Nummern führt direkt zur jeweiligen Fußnote unter der Rezension)

Da das Buch zurzeit einigen Staub aufwirbelt, eine kurze Erklärung, warum ich es dennoch angefordert habe. Hinter dem Anliegen, sich eine extreme Position anzuschauen, steckt die Idee, sich selbst aus der eigenen Komfortzone zu locken und seine eigenen Argumente zu überprüfen. Eine Technik, die einen aufgrund der mangelhaften Argumentationen der Gegenseite oft enttäuscht oder einen wütend zurücklässt, doch manchmal tut es weh und dann hat es funktioniert.1

Um diesen Ansatz auf „Die Unterdrückung der Männer“ anwenden zu können, sollten alle Parameter, die nicht mit der Argumentation zu tun haben, vorerst ausgeklammert werden. Dazu gehört zum Beispiel der Hintergrund des Autors: Über Jan Deichmohle ist wenig bekannt, angeblich schreibt der Autor seit den 1980er-Jahren feminismuskritische Bücher, die aufgrund von „feministischer Zensur“ erst Jahrzehnte später einen Verlag fanden. Das vorliegende Buch erscheint in diesen Tagen bei Juwelen, einem jungen Verlag, der sich als Plattform für „Freiheitsdenker“ versteht und sich selbst schulterklopfend als „Hommage an die Einzigartigkeit des Menschen“ bezeichnet. Mit Blick auf das Programm schlüpft der Verlag aber wohl in den Raum, den die AfD geöffnet hat und veröffentlicht Bücher, die dem Motto „das wird man doch wohl noch sagen dürfen“ folgen.2

Damit begnügt sich der Verlag aber nicht, ganz dem Klischee entsprechend braucht es auch noch eine kontroverse Aufmachung, um ins Gespräch zu kommen. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Rechnung nicht aufgeht und nur wenige auf das furchtbare Cover anspringen.3 Auch bei der Beschreibung des Autors klotzt der Verlag: Jan Deichmohle habe Mathematik studiert und verfüge deswegen über einen objektiven Blick auf die Dinge, eine Karriere habe er noch nie angestrebt. „Die Unterdrückung der Männer“ ist Teil fünf der „Die beiden Geschlechter“-Reihe mit (gelinde gesagt) mutigen Titeln wie „Kultur und Geschlecht. Feminismus: Großer Irrtum – schwere Folgen“ und „Die Genderung der Welt. Wie Feminismus weltweit Kulturen zerstört“.

Ein Blick ins Buch verrät zudem, dass Deichmohle auch im Bezug auf die Regeln der deutschen Sprache ein Querkopf ist, der seinen eigenen Weg zu gehen versucht. In Sachen Rechtschreibung hält er sich strikt an die alten Regeln4, sein Satzbau ist eigenwillig und teilweise umständlich. Das strahlt auch auf seine Auslegung der Methoden wissenschaftlichen Arbeitens aus, Zitate aus der Wissenschaft wechseln sich munter mit offen vorgetragenen Meinungen und Forderungen ab, die eher von einer politischen Agenda als von einer wissenschaftlich fundierten Meinung zeugen.5 Von einem strukturierten Aufbau ist der Autor weit entfernt, teilweise machen es einem die Gedankensprünge schwer, der Argumentation zu folgen, es besteht eben immer noch ein Unterschied zwischen „sich missverstanden fühlen“ und „seine eigenen Regeln machen“, vor allem wenn die Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens munter den eigenen Bedürfnissen angepasst werden.

Aber gut, all das lassen wir für einen Moment beiseite und kommen zu seinen Argumenten. In diesem Punkt macht es Deichmohle dem Leser einfach, denn das gesamte, dreihundertvierundsechzig Seiten umfassende Buch fußt auf genau einem Argument: Die Unterdrückung des Mannes ist ein biologisches Faktum. Im Menschengeschlecht übt seit jeher die Frau Macht über den Mann aus, weil sie sich ihre Sexual-/Fortpflanzungspartner aussucht („weibliche Wahl“, „intersexuelle Selektion“). Sozialdarwinismus im 21. Jahrhundert, der falsch verstandene Namensgeber wird sich ein weiteres Mal im Grab umdrehen. Aus dieser Prämisse, die Deichmohle selbst als „Beweis“ ansieht (ein umstrittener Begriff in der Wissenschaft), entwickelt er eine Handvoll weiterer Argumente, die ähnlich weit hergeholt wirken.6

Es habe sich schon vor mehreren tausend Jahren eine „schiefe Wahrnehmung“ entwickelt, die Frauen als schutzbedürftig erscheinen ließ, weil sie sich um die Versorgung der Kinder kümmerten, die Männer hingegen mussten schon immer hart arbeiten, Risiken auf sich nehmen und in den Krieg ziehen, um den Schutz gewährleisten zu können. Der Feminismus sei demnach deswegen eine Farce, da die Frauen mit dem „Scheinargument“ ins Feld gingen, dass sie unterdrückt würden, obwohl das Gegenteil der Fall sei.7 Selbst wenn bei unseren Vorfahren vor 60.000 Jahren die „weibliche Wahl“ als evolutionärer Mechanismus gewirkt haben sollte, geht Deichmohle nicht darauf ein, dass die Frau über die tausende von Jahren kaum eine Wahl hatte. Trotzdem reicht dieses eine, fragwürdige Argument Deichmohles Ansicht nach aus, um den Feminismus zu entkräften, im gleichen Atemzug gibt er sich über diese Argumentationslinie selbst die Absolution vorbehaltlos vom Leder zu ziehen und Feuer mit Feuer zu bekämpfen. Da wird eine „Genderideologie“ angeprangert, die den Mann weiter unterdrückt und andere Meinungen radikal zensiert. Dass der Autor hier selbst eine ideologisch aufgeladene Idee entwickelt, darauf geht er logischerweise nicht ein.8

Ein besonders fragwürdiges Argument findet Deichmohle im Zusammenhang der intersexuellen Selektion: Da die weibliche Wahl von Moden und Trends abhängig sei, würden sich im menschlichen Genpool „die Gene und Charakteristiken von Mördern und asozialen Blendern verbreiten, weil ihre Träger von einigen Frauen bevorzugt werden“. Der dazugehörige Lösungsansatz: Es müssen sich möglichst viele Männer fortpflanzen, damit die Evolution ihr Werk tun und den Mensch durch  zu einem besser angepassten Wesen machen kann. Spätestens an diesem Punkt dürfte klar sein, dass Deichmohle nicht „nur“ eine frauenfeindliche Agenda verfolgt.

Der Feminismuskritiker benennt aktuelle und streitbare Themen, nur bleibt die Argumentation immer dieselbe. Natürlich geht Deichmohle auf das Thema Vergewaltigung ein, aber statt darauf aufmerksam zu machen, dass es sich um ein schwieriges Sujet handelt, bei dem zurzeit über juristische Präzedenzfälle verhandelt wird, wird wieder nur von der erfundenen „Männerdominanz“ berichtet, von „Männerhass“ und „Frauenvergötterung“ (übrigens dürfen Männer auch nicht jammern9 , das ist dem weiblichen Geschlecht vorbehalten), kurzum von „Verschwörungstheorien“ und „Schmutzkampagnen“.10

Durch seinen naturwissenschaftlichen Blick auf menschliche Beziehungen fehlen Deichmohle die Einsichten, die aus den Geisteswissenschaften stammen. Der Autor würde darauf wahrscheinlich entgegnen, dass Disziplinen wie Soziologie und Politikwissenschaft unwissenschaftlich seien, weil sie keine „Beweise“ liefern. Ohne Konzepte und Theorien wie dem „Sozialkonstruktivismus“ oder der „Komplexitätsreduktion“ kommt der aktuelle Diskurs aber nicht aus, zum einen, weil bislang belastbare evolutionsbiologische Erkenntnisse fehlen, zum anderen, weil der Mensch nun einmal ein soziales Wesen ist.11

Deichmohle reicht es aber, mit einem Argument ins Feld zu gehen und es so oft zu wiederholen, dass kaum Platz für etwas anderes bleibt als für historische Zitate, die den „Beweis“ unterstützen sollen. Allein der Begriff „schiefe Wahrnehmung“ taucht über fünfzig Mal auf12, fast immer eingebettet von einer Wiederholung der Argumentation aus der Einleitung.13 Deichmohles eigener Schreibstil wirkt sich schließlich doch auf die Qualität seiner Argumentation aus, einige Sätze ergeben auch nach mehrmaligem Lesen keinen Sinn und werden wohl erst verständlich, wenn man sie mit den Ideen liest, die sich in Deichmohles Kopf befinden. Schnell kommt der Verdacht auf, dass der Autor kein verkanntes Genie ist, das seiner Zeit etwas voraus hat, sondern ein Außenseiter und Eigenbrötler, der sich von der Gesellschaft, der Wissenschaft und den Frauen missverstanden und ausgeschlossen bzw. zurückgewiesen fühlt und sich als Konsequenz ein eigenes Gedankengebäude baut, das auf einem wackligen Fundament steht. Bleibt eigentlich nur die Hoffnung, dass er das alles nicht ernst meint, sondern uns in #Varoufake-Manier auf etwas hinweisen will, beispielsweise auf unser hysterisches, von Medien beeinflusstes Verhalten, bei dem gute Argumente im Shitstorm untergehen.14

Aber bis zu dieser Auflösung bleibt die Frage, wie mit einer solchen Position umzugehen ist. Zahlreiche Literaturblogs haben auf die Rezensionsanfragen seitens Deichmohle und dessen Verlag radikal ablehnend reagiert und wollten dem Buch keine Plattform bieten. Eine verständliche Haltung, da „Die Unterdrückung der Männer“ alle Klischees bedient, über keinerlei Substanz verfügt und ganz offen Frauen angreift. Doch wir leben in eine Demokratie, in der Meinungsfreiheit zu den Grundrechten gehört. Was passiert, wenn enttäuschte Menschen zu lange vom Diskurs ausgeschlossen werden, zeigt der momentane Rechtsruck, egal ob mit Trump oder mit der AfD an der Spitze. Anhänger dieser Bewegungen fühlen sich fast schon systematisch missverstanden und unterdrückt, aufdeckende Satire deuten sie als einen persönlichen Angriff. Haben wir diese Menschen also unterschätzt und unterdrückt? Sind wir nicht auf ihre Wut und ihre Probleme eingegangen? Haben wir sie nicht ernst genommen oder kann man sie einfach nicht ernst nehmen? Wir sind nun an einem Punkt angelangt, an dem mit Logik nicht mehr viel zu erreichen zu sein scheint und wider aller Vernunft den lautesten Politikern die Stimme gegeben wird.15

Bei all dem drohen wir in alte Muster zurückzufallen und Fortschritte über Bord zu werfen. Anstatt uns hinaus zu wagen und erst einmal auszuprobieren, was Gleichberechtigung im Positiven wie im Negativen ausmacht und ob es vielleicht gar nicht so sehr darauf ankommt, ob Mann oder Frau auf die Kinder aufpasst, sondern eher, wer die nötige Zeit dafür aufbringen kann, finden verstärkt konservative Ansichten ihren Weg in den politischen Diskurs, die sich auf die Sicherheit traditioneller Wertvorstellungen berufen (oder vorgeben es zu tun). Die Palette endet dabei natürlich nicht beim Bild einer traditionellen Familie, es geht genauso um Hautfarbe, um Nationalität oder um Geschlechter, die sich nicht eindeutig in das binäre System aus männlich und weiblich einordnen lassen. Abschottung statt Vielfalt, das ist die einfache, die bequemere und die auf kurzfristige Lösungen pochende Antwort. Dass es eine der Mechanismen ist, mit denen auf die immer weiter zunehmende Komplexität der Welt reagiert wird, ist logisch, es ist nur die Schnelligkeit mit der diese Ideen in die Mitte der Gesellschaft wandern, die überrascht und schockiert.

Und wo ist Jan Deichmohle in diesen Überlegungen einzuordnen? Mehrere Kapitel in „Die Unterdrückung der Männer“ beschäftigen sich mit radikalen Feministinnen, die sich im Internet organisieren, „Männerhass“ hegen und offen mit „Männermorden“ prahlen. Und ja, es gibt diese Gruppen, letztendlich handelt sich aber um Randerscheinungen, wie sie zur Gesellschaft gehören. Auch Deichmohle gehört zu einer solchen Randgruppe und operiert mit ähnlichen Argumenten, nur dass er statt über Frauen über Männer schreibt. Doch in dieser Logik fehlt die Einsicht, dass es nicht um das Aufwiegen von Ungerechtigkeiten geht, um zu einem Gleichgewicht zu kommen (bei dem eine der beiden Seiten unterdrückt wird). Für ihn spielen nur „Erste-Welle-Feministinnen“ eine Rolle, die wir schon seit Jahrzehnten hinter uns haben. Trotzdem profitiert der Autor von einem Boden, den die AfD bestellt hat und in deren Umfeld sich Deichmohle aufhält (E-Mails von Beatrix von Storch tauchen im Buch auf, genauso wird ein traditionelles Familienbild verteidigt). Zwar distanziert sich die Partei meist von den radikalen Ideen, es bleibt trotzdem die Hoffnung, dass Björn Höcke nicht auf die Idee kommt „Die Unterdrückung der Männer“ als „geistiges Mana“ zu identifizieren.

Meine Eingangshoffnung hat sich derweil nicht erfüllt. Ins Grübeln hat mich Jan Deichmohle zwar gebracht, ihm ist es jedoch nicht gelungen, mich in meinen Argumenten zu fordern. Es ist eher die aktuelle Stimmung, die mich nachdenklich stimmt und von der dieses Buch profitiert.16 Dabei ist „Die Unterdrückung der Männer“ so klischeehaft schlecht, dass man sich fragt, was wohl ein gut argumentiertes, seriös geschriebenes Buch zur gleichen Thematik auslösen könnte. Aber mit Logik braucht man dem Autor sicher nicht zu kommen und auch nicht mit Gerechtigkeit. Dass beide Geschlechter aufeinander zugehen müssen, ist auch schon in der Kritik zu „Es ist MEIN Leben!“ angeklungen, wer sich allerdings nicht dialogbereit zeigt und sich nicht einmal mit den Argumenten der anderen Seite auseinandersetzt, braucht sich nicht zu wundern, dass er auf pauschale Ablehnung stößt.17

FAZIT: „Die Unterdrückung der Männer“ ist ein fast schon klischeehaft schlecht geschriebenes, eigenwillig aufgebautes, zwischen pseudo-wissenschaftlichem und ideologischem Anspruch schwankendes, plump provokativ und aggressiv vermarktetes Buch, das obendrein auch noch über keine Substanz verfügt. Autor Jan Deichmohle entwickelt ein über dreihundert Seiten starkes Buch aus einem einzigen evolutionsbiologischen „Beweis“, der genauso hanebüchen ist wie die Argumente, die er daraus folgert. Anstatt den Feminismus oder die Genderbewegung in den ihren heutigen Formen zu kritisieren und wirklich diskussionswürdige Aspekte herauszustellen, versteift sich der Autor darauf frauenfeindliche Ressentiments zu bedienen und in Argumentationsketten zurückzufallen, die wir schon Jahrzehnte hinter uns gelassen haben. Schade, dass solch ein Buch heute noch einen Verlag findet und nein, dass es so lange gedauert hat, hat nichts mit „feministischer Zensur“ zu tun. Wer uns fortan zur Lügenpresse zählen will, sollte sich vor Augen führen, dass das Buch an dieser Stelle eine Kritik erhalten hat, die sich ernsthaft mit den Inhalten auseinandersetzt, die Hauptargumente des Autors darstellt und dazu Stellung bezieht. Das Fazit: Ausschließlich heiße Luft gepaart mit Frauenfeindlichkeit. Punkt!18

  • Autor: Jan Deichmohle
  • Titel: Die Unterdrückung der Männer
  • Teil/Band der Reihe: Teil 5 der Reihe „Die beiden Geschlechter“
  • Verlag: Juwelen
  • Erschienen: 03/2016
  • Einband: Softcover
  • Seiten: 367
  • ISBN: 978-3945-822630
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite

Wertung: 0/15 dpt

Print Friendly, PDF & Email
2
1

Fußnoten

  1. Kommentar Chris Popp (gilt auch für die folgenden Fußnoten): Ich war neugierig. Zum einen, weil es ja Feminismus und Feminismus gibt (einmal ‚pro Frau‘ und einmal ‚pro Frau und anti Mann‘; letzteres ist die bedenkliche und definitiv zu kritisierende Form) und zum anderen, weil es ja durchaus den ein oder anderen Beruf gibt, bei dem es unüblich ist, Männer einzustellen – dies beginnt bei Verkäufern in Drogeriemärkten, erstreckt sich über Sprechstundenhilfen in Arztpraxen bis hin zu Berufen im pädagogischen Bereich – Männer in Kindertagesstätten findet man beispielsweise eher selten vor, und die wenigen, die sich für eine solche Laufbahn entscheiden, haben es nicht immer einfach, auch eine entsprechende Stelle zu finden; Auch zahlreiche Alltagssituationen rufen bei Männern und Frauen unterschiedliche Reaktionen hervor. Setzt sich eine Frau in Spielplatznähe auf eine Bank und schaut den Kindern zu, ist die Reaktion oftmals doch eine deutlich andere als die, wenn ein Mann dasselbe tut – in den Köpfen vieler Menschen geht unbewusst eine Geschlechtertrennung vonstatten. (Vielleicht nicht unbedingt thematisch zum Inhalt dieser Rezension und des rezensierten Buches passend, empfehle ich hinsichtlich der ganzen Gender-Sache die Lektüre des Buches „Die Rosa-Hellblau-Falle“ von Sascha Verlan und Almut Schnerring; Rezension hier).(cp)  

  2. Noch bevor das Rezensionsexemplar hier eintrudelte, beschlich mich bei der Durchsicht des Verlagsprogramms ein äußerst ungutes Gefühl bei der ganzen Sache. Dennoch sollte man bei aller Skepsis zumindest versuchen, möglichst unvoreingenommen an Dinge heranzugehen. Dies fiel zugegebenermaßen schwer. Doch ein Urteil fällt man nie vorher, sondern stets hinterher…(cp)  

  3. …welches bei mir eher den Reflex hervorrief: »Das KANN doch nur Satire sein…« – meine Hoffnung war erst noch groß…(cp)  

  4. … was ja selbst einige bekannte Autoren tun und nicht immer negativ zu werten sein muss… (cp)  

  5. Mir stellt sich da eher die Frage, ob diese Meinungen nicht eher auf persönlichen Erfahrungen und Enttäuschungen fußen. Doch das kann man zugegebenermaßen nur mutmaßen – der zuweilen feindselige Unterton des Geschriebenen lässt jedenfalls Interpretationen in diese Richtung zu.(cp)  

  6. Der Terminus „Sozialdarwinismus“ war es auch, der mir bereits auf den ersten Seiten vorschwebte. Herr Darwin wird wahrscheinlich rotationsbedingt einen Tunnel graben…(cp)  

  7. Nur so als Einwurf: Warum werden Frauen in diversen Jobs für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt? Warum arbeiteten und arbeiten in vielen Kulturen überwiegend die Frauen auf den Feldern und verrichten/verrichteten schwerste Arbeit? Haben Männer, als es noch keine Waschmaschinen gab, die Wäsche selbst von Hand gewaschen (körperlich sehr beanspruchend!)? Man könnte noch unzählige weitere Beispiele nennen…(cp)  

  8. Besonders sauer stößt mir hierbei auf, mit wieviel Larmoyanz und Selbstmitleid Deichmohle anhand von Fallbeispielen wie ‚Kaum bepackte Frau bekommt im Bus sofort Hilfe, während der Mann schief angeschaut werde, wenn er voll bepackt in den Bus steigt und doch alle sehen müssten, dass ER es doch sei, der die Hilfe benötige‘ den Mann in der Opferrolle sieht und damit – offenbar unbewusst – eines der typischen Männerklischees, nämlich das des wehleidigen Mannes, unterfüttert.(cp)  

  9. Spätestens hier wird es unfreiwillig komisch – Stichpunkt Larmoyanz und Selbstmitleid, Fußnote 8(cp)  

  10. Wer muss hier ebenfalls unweigerlich an Aluhüte denken?(cp)  

  11. Und damit wäre einer der vielen Schwachpunkte dieses Buches offengelegt – es fehlt das Abwägen, das Betrachten aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Die Sichtweise (mehr ist es nicht!) bleibt einseitig, verhärtet und wird als definitiv hingestellt.(cp)  

  12. Fast sechzig Mal; das Wort „Schiefsicht“ findet sich ebenfalls erstaunlich häufig. Vom Wort „schief“ selbst wollen wir gar nicht erst reden… (cp)  

  13. Und genau diese Redundanz besitzt eine nahezu zermürbende Wirkung – ein jeder kennt bestimmt diese eine Person aus seinem Bekannten- oder Verwandtenkreis, welche diverse Phrasen in Gesprächen mehrfach wiederholt.(cp)  

  14. Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber nun ist Deine auch tot. Herzliches Beileid, lieber Norman.(cp)  

  15. Populismus hat viele Ebenen…(cp)  

  16. Oder profitieren könnte(cp)  

  17. Und das ist eines der Hauptprobleme dieses Buches – es begibt sich gleich von Anfang an in eine argumentative Einbahnstraße, die im Kreis verläuft. Ohne Blick in Seiten- oder Rückspiegel.(cp)  

  18. Ausrufezeichen.(cp)  

Über den Autor

2
1

Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht so genau, wer ich bin. Vielleicht liegt es am Studium, an der Postmoderne, am Internet, am Erwachsensein oder dem unendlichen Schwall an Informationen, aber in den letzten Jahren hab ich mich doch sehr verändert. Klar, die Rahmendaten bleiben: Ich heiße Norman, bin Anfang 20 und wohne im Ruhrgebiet. Dann aber wird es schon schwieriger:

∇ mehr über Norman R/Kontakt
Print Friendly, PDF & Email
2
1

Schreibe einen Kommentar

10 Kommentare zu "Jan Deichmohle – Die Unterdrückung der Männer (Buch)"

Benachrichtigung, wenn:
avatar
Sortiert nach:   neueste | älteste | beste Bewertung
wpDiscuz

Jan Deichmohle – Die Unterdrückung der M…

von Norman R Artikel-Lesezeit: ca. 12 min
10