Der Jahresrückblick 2021 von Dominic Schlatter

Das abgelaufene Jahr 2021 war pandemiebedingt durchaus abwechslungsreich, wenngleich es für mich zumindest arbeitstechnisch keinen Unterschied machte: als Mitarbeiter in einem Krankenhaus, darf man ob der kritischen Systemversorgung ja immer anwesend sein. Nachdem bereits der Jahresbeginn etwas turbulent war und die Funktion des Vizebürgermeisters meiner Heimatstadt dazu kam, lag die Befürchtung nahe, dass wenig Zeit für booknerds bleibt. Auch die Zusammenlegung von zwei Haushalten zu einem, war durchaus intensiv (vor allem bei tropischen Temperaturen im Hochsommer).

Glücklicherweise war dem aber nicht so.

Nachdem ich mit Ende 2020 die Seite von Chris übernehmen durfte, folgte bald eine optische Frischzellenkur inklusive neuem Maskottchen. Unsere Nerdi begleitet seit dem Beiträge und unsere Social Media Auftritte. Außerdem ist sie jetzt als modisches Lesezeichen erhältlich – vielleicht auch bald in eurer Nähe?

Dank toller Unterstützung von Verlagen und Publisher konnten wir 8 Gewinnspiele veranstalten. Ebenso erfreulich ist die Verstärkung unseres Teams zum Jahresende hin; wir begrüßen Anna, Ann-Sophie, Britta, Frederike, Jennifer, Julia und Mariann neu bei den Booknerds. Sarah ist jetzt seit einem Jahr dabei und tobt sich für uns auf Instagram aus 😉

Ähnlich wie bei Kollegen Marc Richter fällt auch mein Rückblick durchaus Marvel- und Kinder“lastig“ aus, beschränkte sich doch die Zeit vorm TV hauptsächlich auf gemeinsame Filmabende mit den Kindern oder der schwangeren Freundin, welche alle Marvel-Filme in chronologischer Reihenfolge sehen durfte (und es letztlich genoss).

Marvel:

Von daher beginne ich den Rückblick gleich mal mit dem großartigen Marvel Cinematic Universe. Es ist beachtlich, was hier in den letzten Jahren erschaffen wurde. Kevin Feige und seinem Team ist es gelungen, eine stringende Geschichte über so viele Filme und neuerdings Serien zu spinnen. Gerade wenn es euch möglich ist, die Veröffentlichungen in chronologischer Reihenfolge (inklusive der jeweiligen Abspannszenen) zu genießen, ergibt sich ein beeindruckendes Gesamtbild. Klar, gibt es hier und da vielleicht erzählerische Lücken. Alles in allem funktionieren die Querverweise und versteckten Easter Eggs erstaunlich gut.

Nachdem „Avengers: Endgame“ ein bombastisches Finale der sogenannten Phase III war, legte Marvel schon bald nach. Dank der Streamingplattform Disney+ sind nun einige Serien erschienen, welche die Geschichte abseits der großen Kinoleinwand weiterspinnen. „WandaVision“ war da bisher ein sehr mutiges und tolles Projekt. Zu Beginn als Sitcom im Stile der 1950er-Jahre, macht die Serie rund um Wanda und Vision nicht nur Sprünge im Erzählstil der vergangenen TV-Jahrzehnte, sondern offenbart am Ende die wahre Macht der Scarlet Witch. Etwas bodenständiger war die Action in „Falcon and the Winter Soldier“. Hier wird die Geschichte rund um Bucky Barnes und Sam Wilson weitererzählt. Letzterer übernimmt schlussendlich nun doch den Schild von Captain America, während hier mit John Walker (U.S. Agent) und Valentina Allegra de Fontaine zukünftige Antagonisten eingeführt werden. Für viele war die Rückkehr des Gott des Schabernacks, „Loki“ himself, eines der Highlights im heurigen Marvel-Jahr. Mir war die Geschichte rund um die TVA (Time Variance Authority) allerdings teilweise zu wirr, vielleicht auch der häppchenweise Veröffentlichung geschuldet. Ein Rewatch steht daher am Programm. Allerdings hat „Loki“ mit dem Hüter des Wahren Zeitstrahls einerseits die Grundfeste für eine zweite Serienstaffel, als auch für weitere multiversale Geschichten gelegt.

Diese werden gleich in der animierten Serie „What if?“ aufgegriffen, welche uns alternative Szenarien und Situationen der bekannten Filme zeigt. Da sehen wir beispielsweise eine Captain Carter, eine machtbesessene Version von Doctor Strange, eine Zombieversion der Erde oder einen unbesiegbaren Ultron.

Marvel Studios’ BLACK WIDOW..Black Widow/Natasha Romanoff (Scarlett Johansson). Photo: Film Frame. ©Marvel Studios 2020

Scarlett Johansson durfte dieses Jahr endlich als „Black Widow“ ein Solo-Abenteuer erleben, welches unter anderem ihre Vergangenheit näher beleuchtete. Ihre Schwester Yelena hatte dann wiederum in der kürzlich veröffentlichten Serie „Hawkeye“ noch einen Auftritt. Darin begegnet der begnadete Bogenschütze in sechs kurzweiligen Episoden auf seine vermeintliche Nachfolgerin.

Ebenfalls dieses Jahr erschienen ist „Shang-Chi und die Legende der zehn Ringe“, ein Handlungsstrang der beinahe komplett in Asien spielt und auch hinter der Kamera fast nur asiatisches Personal versammelte. Dank der Martial Arts Kämpfe und der tollen Effekte, war dieser Film vor allem optisch etwas Besonderes.

„Eternals“ konnte ich selbst noch nicht sehen, wird aber demnächst auf Disney+ verfügbar sein und zeigt wieder komplett neue Protagonisten im MCU. Hier darf vor allem gespannt sein, wie erklärt wird, dass sich diese vermeintlichen Weltenbeschützer aus den bisherigen Angriffen auf die Erde vornehm zurückhielten.

Der letzte „Marvel“-Content 2021 war dann kurz vor Weihnachten „Spider-Man: No Way Home“. Hier darf man gratulieren, dass sich Disney, Marvel und Sony Pictures als Rechteinhaber auf einen tollen Deal geeinigt haben und somit einen absolut ansehnlichen Film ablieferten. Weitere Details (inklusive etwaiger Spoiler) findet ihr in meiner entsprechenden Rezension.

Serien:

Ein paar Serien, welche hier nicht rezensiert wurden, möchte ich herauspicken.

„Star Trek: Lower Decks“

Star Trek Lower Decks © StarTrek.com
Ensign Boimler

Die Animationsserie von „Rick & Morty“-Schöpfer Mike McMahan ist eine Hommage an „The Next Generation“. Im Mittelpunkt stehen die sogenannten „Unterdeckler“, welche auf der USS Cerritos scheinbar unbedeutende Aufgaben erledigen müssen. Dabei geraten die Charaktere natürlich in allerlei Schwierigkeiten. Nachdem sich die Serie selbst ständig aufs Korn nimmt und dabei durchaus auch explizite Witze los lässt, eignet sich „Lower Decks“ zwar eher nur für ein erwachsenes Publikum. Ist dieses allerdings halbwegs „Star Trek“-affin, wird man dank zahlreicher Referenzen und Gastauftritte absolut glücklich sein.

„For All Mankind“

Hierbei handelt es sich um eine fiktive Dramaserie, welche von Apple TV produziert wird. Darin haben die Sowjets den Wettlauf zum Mond für sich entschieden. Nach einer Idee von Ronald D. Moore (ua. „Star Trek“, „Battlestar Galactica“) wird in bisher zwei Staffeln eine alternative Realität gezeigt. Neben den politischen Dimensionen werden in „For All Mankind“ vor allem die Sittenbilder der 1960er- und 1970er-Jahre ziemlich schonungslos dargelegt.

Netflix hat ein gutes Gespür für Erfolgsserien. Eine davon ist unbestritten „Haus des Geldes“. Während in den ersten beiden Teilen ein ausgeklügelter Überfall auf die spanische Banknotendruckerei stattfand, handeln die weiteren drei Teile von einem Überfall auf die spanische Zentralbank. Der fast perfekte Plan erfährt ständig Adaptierungen, da Polizei und Sondereinheiten dem Professor samt Team immer wieder gefährlich nahe kommen. Auch gibt es einige Opfer zu beklagen. Dies führt zum Bruch der eigenen „goldenen Regel“, dass kein Blut vergossen werden soll. Genau das ist leider auch der Knackpunkt für mich: gerade in Teil 4 bzw. Teil 5.1 wird geschossen als gäbe es kein Morgen mehr. Da hat „La Casa del Papel“ einiges an Faszination für mich verloren. Zumindest stimmte mich Teil 5.2 im Dezember etwas versöhnlicher.

„Squid Game“

Als die südkoreanische Serie im September veröffentlicht wurde, gab es wohl kein Vorbeikommen daran. Darin kann man in einem sprichwörtlichen Spiel um Leben und Tod, eine beträchtliche Summe Geld gewinnen. Hauptsächlich nehmen Personen teil, deren Leben ziemlich perspektivenlos ist und sich so einen Ausweg erhoffen. Beobachtet werden die Spiele von augenscheinlich reichen Männern, welche sich hinter Fantasiemasken verstecken. Aufgrund der gezeigten Brutalität sorgte „Squid Game“ allerdings auch für einige Kontroversen, Nachahmungen weltweit inklusive.

“Luther” & “Lupin”

Zwei besondere Krimiserien, einmal mit Idris Elba und einmal mit Omar Sy, standen heuer bei uns hoch im Kurs. Während die erste in Großbritannien spielt und durchaus unkonventioneller Ermittlungsmethoden des titelgebenden Protagonisten zeigt, spielt “Lupin” in Frankreich und erzählt die Geschichte eines Meisterdiebs. 

Auf der lustigen Seite konnte ich über „Binge Reloaded“ und „LOL – Last One Laughing“ wirklich herzhaft lachen. Beide Inhalte sind auf Amazon Prime Video erschienen. Während Ersteres quasi der Nachfolger zu „Switch Reloaded“ ist und dementsprechend Serien parodiert, werden in „LOL“ zehn Comedians für sechs Stunden gemeinsam in einem Raum eingeschlossen. Einzige Aufgabe: nicht lachen. Hier hat Michael Bully Herbig einige der großen Comedy-Stars versammelt und als Zuseher ist es schier unvorstellbar, wie hier auch nur eine Minute lang die Lachmuskeln gelähmt bleiben sollen, wenn Kaliber wie Bastian Pastewka, Anke Engelke, Max Giermann oder Kurt Krömer aus dem Vollen schöpfen.

Daneben kommen noch zahlreiche Episoden von “Peppa Wutz”, “Spirit”, “Bobo Siebenschläfer” und “Ben & Hollys kleines Königreich” dazu. Da verschone ich euch jetzt aber mit meiner Meinung 😉

Filme:

Franz und Rudi im Krankenhaus
Doppelte Beckenfraktur, Schlüsselbeinbruch, Milzquetschung – Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel, l.) zu Besuch bei Rudi Birkenberger (Simon Schwarz, r.), der aus dem Krankenhaus heraus bei den Mordermittlungen helfen muss.

“Kaiserschmarrndrama” ist die nächste Verfilmung eines Rita Falk Romans mit dem kratzbürstigen bayrischen Kommisar Franz Eberhofer. Das eingespielte Ensemble weiß wieder einmal perfekt zu unterhalten, wenngleich der eigentliche Kriminalfall eher nur Beiwerk ist.

“Dora und die Goldene Stadt” zeigt Isabela Moner in der Realverfilmung als wissbegierige Forscherin Dora. Die gleichnamige Animationsserie begeistert bereits seit Jahren Kinder rund um den Globus. Das junge Mädchen erlebt dabei aufregende Abenteuer. Im amerikanischen Original spricht Dora Englisch und Spanisch, während in der Synchronisierung hauptsächlich Deutsch und Englisch gesprochen wird. So können die Kids niederschwellig einfache Fremdsprachen-Begriffe erlernen. Der Film an sich ist eine gelungene Umsetzung. Während die Story und die Special Effects nicht überragend sind, kann der überwiegend lateinamerikanische Cast durchwegs überzeugen und bietet somit eine netten Familien-Unterhaltungsfilm.

“James Bond: Keine Zeit zu sterben” wurde nach langem Hin und Her endlich im Herbst veröffentlicht und markiert das Ende von Daniel Craig als James Bond, dies ist nach diesem Teil gewiss. Die Darstellung des Agenten war seit Craig’s Dienstbeginn in “Casino Royal” immer wieder umstritten. Mir persönlich hat diese unkonventionelle Art und Weise meist gefallen. Beginnend mit “Skyfall” wurde eine große Geschichte rund um Bonds Vergangenheit begonnen beziehungsweise angedeutet. So richtig wollte das auch in den nachfolgenden Filmen nicht in Fahrt kommen. Auch in “Keine Zeit zu sterben” gibt es ausreichend Action und Drama, allerdings auch einen recht austauschbaren Widersacher, samt arg sentimentalen Doppel-Null-Agenten. Ich bin gespannt wie es mit der Figur James Bond nun zukünftig weitergeht.

“Encanto” ist der 60. abendfüllende Film von Disney und wurde pünktlich zu Weihnachten auf Disney+ veröffentlicht. Ein passendes Weihnachtsgeschenk für die Abonnenten, ist dem Mauskonzern aus Kalifornien doch wieder eine liebenswerte Geschichte gelungen. Alle in der Familie Madrigal besitzen magische Fähigkeiten, bis auf Mirabel. Mit viel Gesang und eingängigen Latino-Klängen wird die Handlung fortgeführt und zu intensiven Bildern wird ausgelassen getanzt. Auf der einen Seite bleibt allerdings die magielose Mirabel und die Großmutter Abuela, welche mit aller Macht die Magie zu beschützen versucht. Ein bisschen besser hätte man die Hintergründe der Geschichte ausarbeiten können, da vieles vage bleibt und im Gesang untergeht. Dennoch weiß “Encanto” zu unterhalten, lief er doch seit dem 25. Dezember 2021 schon mehrmals im hiesigen Haushalt.

Daneben gab es natürlich noch einige andere Filme, welche über die Mattscheibe flimmerten. Unter anderem war das der neueste “Fast & Furios”-Ableger und einige Bruce Willis-Kracher, allerdings alle mit nicht dermaßen schmeichelhaften Kritiken.

Bücher:

Tinte & Siegel Buchcover - © Hobbit Presse / Klett-Cotta
© Hobbit Presse / Klett-Cotta

“Tinte und Siegel” von Kevin Hearne habe ich regelrecht verschlungen. Mir hat die Kombination aus älterem Magier und Hobgoblin sehr gefallen. Die Geschichte ist eingebettet in die schottische Mythologie obwohl sie in der Gegenwart spielt. In Kombination mit dem flotten Schreibstil, gelang Hearne hier eine wirklich unterhaltsame Fantasykost.

Ansonsten gab es 2021 viel Neues an der “Star Wars”-Front mit der neuen Buch- und Comicserie “Die hohe Republik”. Hier finden sich einige Rezensionen dazu auf unserer Seite.

Bedingt eben durch Umzug, Nachwuchs, Politik und Fortbildungen blieb etwas weniger Zeit und vor allem Ruhe zum Lesen, der SuB (Stapel ungelesener Bücher) wächst – wird aber hoffentlich dieses Jahr kontinuierlich abgebaut.

Games:

Amazon Studios veröffentlichte endlich ihr erstes Spiel. Es wurde oftmals verschoben und hat auch eine ziemliche Gradwanderung in der Entwicklung durchgemacht, letztlich hat “New World” bei der Veröffentlichung einen ziemlichen Ansturm auf die Server ausgelöst. Leider kann das MMORPG nicht mit anderen Genre-Größen mithalten, muss es aber meiner Meinung nach auch nicht. Nachdem der PvE-Teil erst nachträglich in das Spiel eingefügt wurde, herrscht manchmal storytechnisch etwas Flaute. Es gibt aber unzählige Rezepte und Dinge zu craften und all das in einer ansehnlichen Spielwelt.

Die Neuauflage von “Diablo II” und zuletzt “Age of Empires IV” sind ebenfalls immer wieder mal gestartet worden. Aus Zeitgründen allerdings leider nicht ganz so oft wie erhofft.

“Super Mario Party” und “Mario Party Superstars” waren wohl die beiden meistgespielten Nintendo-Switch Spiele bei uns daheim. Mit meinen größeren Töchter vergehen hier oft Stunden, bei denen wir die unterschiedlichen Spielbretter ausprobieren, uns bei Minispielen verbessern oder schon mal das Raftabenteuer in “Super Mario Party” verflucht haben. Nachdem ich schon Marios ersten Partyausflug auf dem Nintendo 64 gezockt habe, ist natürlich die Neuauflage ein willkommener Ausflug in die Vergangenheit. Hier sind zwar nur 5 Spielbretter verfügbar, aber auch 100 Minispiele aus den bisherigen 10 Vorgängerversionen der Hauptserie. Spaß aber vielleicht der eine oder andere Frustmoment, weil ein Minispiel mal nicht wie gewünscht geklappt hat, sind garantiert.

Zum Jahresabschluss flatterte dank Christkind noch “Just Dance 2022”, ebenfalls für die Switch, ins Haus. Guter Tipp für angefressene Weihnachts- und Lockdownkilos: hier kommt ihr ordentlich ins Schwitzen.

Auch wenn das vergangene Jahr so seine Tücken hatte, waren auch viele schöne Momente dabei. Daher halte ich es wie Captain Buzz Lightyear: “Bis zur Unendlichkeit und noch viel, viel weiter!”


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